Sabbat, da war doch was…

Fast zwei Wochen Israel sind rum. Zeit für das obligatorische Fazit. Gemessen an meinen Erwartungen und Vorurteilen, denen man bisweilen begegnet, kann ich für mich festhalten: Es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Ausgenommen das Gericht Shakshouka, das noch regelrecht am Dampfen ist, wenn es serviert wird. Kulinarisch war ich hier zweifelsohne bestens versorgt. Die Anzahl an kichererbsen-basierter Mahlzeiten, also Hummus und Falafel, betrug schätzungsweise 1,6 pro Tag. Das Wetter war grandios. Zwischen 20 und 38 Grad war alles dabei und da kann man sich dann auch mit teils kräftigen Windböen ganz gut anfreunden. Regen Fehlanzeige. Wirklich negativ im Gedächtnis bleibt mir nur die Geldbeschaffung, die sich auch über den Vorfall in Tel Aviv hinaus schwieriger gestaltete als überall sonst, wo ich bisher war.

Die Menschen waren mir gegenüber stets freundlich und offen. Auch in der Hinsicht kann ich nichts schlechtes über Israel sagen. Ansprechen muss ich trotzdem die heikle politische Situation in diesem Land. Von israelischer Seite wird das Thema ziemlich heruntergespielt. Die Worte Palästina, Gaza und Westjordanland hört man selten. Nach dem hiesigen Narativ gehört das alles zu Israel. Darüber wird gar nicht diskutiert. Ich gebe zu, ich habe die Thematik gegenüber Einheimischen nie angestoßen, einfach um niemandem auf die Füße zu treten. Das Eis war mir ehrlich gesagt zu dünn. Meine persönliche Meinung zum Konflikt werde ich hier nicht breittreten. Dafür ist hier nicht die Bühne. Ich finde es zunächst einmal wichtig, sich bewusst zu machen, dass hier nicht alles eitel Sonnenschein ist und sensibel für die Lage zu sein, die gerne totgeschwiegen wird. Nur als kleiner Denkanstoß für jeden, der sich einmal in diesen Breitengraden bewegt.

Auch wenn ich nicht der Typ bin, der im Nachhinein Dinge bereut, gibt es doch eine Sache, die ich beim nächsten Mal anders machen würde. Ich würde nicht an einem Samstag fliegen. Verdammte Axt. Hier offenbart sich final meine lückenhafte Planung. Es ist wieder Sabbat und auch wenn an einem internationalen Flughafen der Verkehr wie gewohnt abgewickelt wird, geht außerhalb des Terminals so gut wie gar nichts. So sah ich mich gezwungen, absurde 18 Stunden vor meinem Flug am Airport zu sein und versuche mich verzweifelt daran zu erinnern, was Tom Hanks in diesem Film nochmal gemacht hat, um sich am Flughafen die Zeit zu vertreiben. Nun ja, eine Nacht im Flughafen zu verbringen, ist nichts Neues für mich und im Warten bin ich auch routiniert. Ich schau mir einfach die Anzeigetafeln an und lass mich inspirieren, wohin die nächste Reise gehen könnte. Wenn ihr wollt, nehme ich euch wieder auf diesem Kanal mit. Der Shaolinzonk ist ready for take off. Macht’s gut und bis zum nächsten Abenteuer.

Per Anhalter durch Galiläa

Die Sonne senkt sich über dem Mittelmeer. Das Rauschen der Wellen wird immer seltener von hupenden Autos übertönt. Dann schallt es aus den Lautsprechern der Minarette: „Allahu Akbar“…

Ich bin in Akko. Ich sitze an diesem kleinen Strandabschnitt außerhalb der Stadtmauern und ich habe Gänsehaut. Die Temperatur trägt mitnichten dazu bei. Auch heute wird das Thermometer nicht unter 20 Grad fallen. Mich fasziniert der Gesang des Muezzin. Mich fasziniert, wie er hypnotisch und doch so leidenschaftlich klingt. Es ist der letzte Tag des islamischen Fastenmonats Ramadan und in diesem Moment erinnere ich mich an ein Seminar zum Thema Nahostkonflikt zurück. Damals an der Uni hatte man sich ein geschlagenes Semester mit den Hintergründen der politischen Situation im heutigen Staat Israel beschäftigt. Der Gedanke, der mir in diesem Augenblick wieder in den Sinn kommt: Je mehr ich über dieses Land erfahre, desto weniger verstehe ich es.

Im Unterschied zu damals stört mich diese Erkenntnis nicht. Ich habe in den vergangenen Tagen auch nicht versucht, irgendetwas zu verstehen. Wie naiv wäre das? Nein, ich finde witzigerweise Gefallen daran. Wieso muss man denn alles verstehen? Das hat etwas Fesselndes. Insbesondere auch der Islam, über den sich hierzulande ja die Gelehrten streiten, ob er den dazugehören würde oder nicht. In Israel lässt er sich noch weniger wegdiskutieren als in Deutschland. Ich bekomme gerade unheimlich Lust, meine Reise Richtung Jordanien oder Iran fortzusetzen aber bevor mir das gleich irgendjemand ausreden will… ich hab sowieso nicht die Zeit für solche Scherze.

Schauen wir stattdessen noch ein paar Tage zurück. Wie verdient dieser Artikel denn eigentlich seinen Namen? Von Jerusalem aus ging es (noch ganz konservativ) mit dem Bus nach Tiberias. Die Stadt am See Genezareth diente mir als Kontrollzentrum, von wo aus der weitere Schlachtplan entworfen werden sollte. Nicht mehr nicht weniger. Eine Nacht Aufenthalt und mit Autostopp nach Katzrin, seines Zeichens auch nicht die Stadt, die mit einer nennenswerten Attraktion glänzen könnte. Man muss sich also noch ein Bisschen weiter befördern lassen und kann dann sehr gut wandern. Nun ja, sofern man bei 35 Grad sehr gut wandern kann. Die Distanzen sind ziemlich kurz und schnell fanden sich liebe Menschen, die mich ein Stück weit mitnahmen. Kaum zu glauben, dass die ganze Aktion bereits um zwei Uhr beendet und ich schon wieder im Hostel in Katzrin war. Da fällt mir ein, das Hostel ist die Attraktion der Stadt (ist wenigstens meine Meinung). Denn zum Frühstück gibt es im Golan Garden Hostel Bananenpfannkuchen! Es gibt noch weitere Gründe, die dieses Haus überaus liebenswert machen aber ich will euch nicht mit Details langweilen, wenn ohnehin jeder durch die Pfannkuchen restlos von der überlegenen Qualität des Hostels überzeugt sein sollte.

Man hätte durchaus noch weiter in die Golan Höhen vordringen können. Allein mir fehlt wie so oft die Zeit. Und so wird Akko bereits die vorletzte Station meiner Reise sein. Den Schlusspunkt setzt dann Tel Aviv.

Reise nach Jerusalem – Warte auf die Karte

Der Vergleich zu den US-amerikanischen Metropolen im vorangegangenen Beitrag legt bereits nahe, einen kompletten Kulturschock erleidet man in Tel Aviv nicht zwangsläufig. In den Straßen riecht man zwar das orientalische Essen aber die Menschen sind angezogen wie in weiten Teilen Europas und sie fahren bevorzugt diese e-Scooter, um von A nach B zu kommen.

Insofern habe ich mich sehr auf Jerusalem gefreut. Gespannt war ich vor allem auf den religiösen Einfluss von Islam und natürlich dem Judentum, der dem Vernehmen nach deutlich größer sein musste als in Tel Aviv. Dorthin zu kommen schien wie eine sichere Nummer. Bus oder Zug. Eine Stunde Fahrzeit. Total entspannt. Doch dann eine weitere Schrecksekunde: Der Geldautomat schluckt meine Karte und behält sie mit den Worten „Sorry, your card has been captured“ erstmal für sich. Das Horrorszenario schlechthin. Noch nirgends auf der Welt ist mir das passiert. Aber nicht von ungefähr nennen mich manche Leute „Lucky“. Lucky war nämlich, dass sich dieser Geldautomat vor einer (geöffneten) Bankfiliale befand. Ich müsste lügen, wenn ich schätzen müsste, wie oft ich welche benutzt habe, die dieses Kriterium nicht erfüllt haben. Oft. Sehr sehr oft und da hat es immer geklappt mit dem Geldabheben. An diesem Tage nicht aber der Weg zum Schalter macht schnell klar: Problem bekannt, es wartet bereits jemand mit erheblich mehr Zeitdruck auf seine Kreditkarte und es sollten während ich gewartet habe noch zwei weitere Personen hinzukommen.

Eine Viertelstunde später konnte der gierige Automat von einer Mitarbeiterin geöffnet werden und es wurde eine Runde Kreditkarten ausgegeben. Neuer Versuch. In derselben Filiale wohlgemerkt aber bei einem anderen ATM, wie man sie im Englischen nennt. Geld kommt. Karte kommt auch. Weiter im Programm.

Jerusalem. Wir bleiben bei den Vergleichen. Weniger e-Scooter als in Tel Aviv. Viel weniger Strand als Tel Aviv. Auf beides lege ich keinen großen Wert. Also soweit in Ordnung. Wovon gibt es mehr? Mehr streng gläubige Menschen. Mehr schwer bewaffnete Menschen. Beide Personengruppen wirken aber überwiegend entspannt, bisweilen sogar richtig gut gelaunt. Nicht dass ich religiösen Menschen die Fähigkeit, gut gelaunt zu sein, abgesprochen hätte. Erstaunlich finde ich dieses Auftreten vor allem bei Sicherheitskräften. Insofern nehme ich das Treiben auf den Straßen Jerusalems ziemlich locker zur Kenntnis. Das sieht nicht jeder so, wie mir Gespräche mit anderen Reisenden verraten. Aber vielleicht bin ich einfach total abgebrüht und sorgloser als der Durchschnitt. Hinzu kommen weitere Religionen und Ethnien, die in Tel Aviv weniger zahlreich vertreten sind: Ein nicht unwesentlicher Teil von Jerusalems Bevölkerung ist muslimischen Glaubens. Außerdem gibt es unter anderem eine große armenische und ethiopische Community. Kurzum: diese Stadt ist unheimlich vielfältig und abwechslungsreich. Ich bin begeistert.

Den Gang zur Klagemauer habe ich bewusst am ersten Tag noch vermieden. Darauf wollte ich mich mental erst vorbereiten. Als ich dann am nächsten Tag bei sengender Hitze vor ihr stand, war meine Gefühlslage doch weit entfernt von Spiritualität und Ergriffenheit. Die Zahl von betenden Juden und mehr oder weniger andächtigen Touristen hielt sich in etwa die Waage. Die Atmosphäre wurde für meine Begriffe der immensen Bedeutung des Ortes nicht gerecht. Der Besuch hatte etwas Befremdliches.

Wir bleiben beim omnipräsenten Thema Religion. Denn besonders einer Sache kann man sich in Israel auch als Heide nicht entziehen: Sabbat. Ab Freitag Nachmittag steht das öffentliche Leben nahezu still. Inwieweit das meine weitere Reiseplanung beeinflusst, werdet ihr in den kommenden Tagen noch erfahren. Es gibt keinen öffentlichen Nah- oder Fernverkehr und die meisten Läden sind geschlossen. Es ist schon verschärfter als bei uns an einem Sonn- oder Feiertag aber auch das hatte ich mir dramatischer vorgestellt. Dadurch dass nicht jeder diesen Tag zu 100% ernst nimmt, sei es weil man einen anderen oder zumindest weniger strengen Glauben hat oder weil man auch an diesem Tag den Touries Dinge verkaufen will, ist nicht komplett tote Hose. Jedoch durfte ich ganz unverhofft hautnah miterleben, was Sabbat für einen streng gläubigen Juden bedeutet. Ich sitze also im jüdischen Viertel der Altstadt und werde plötzlich von einem Paar angesprochen, ob ich denn Jude sei. Mein Nein war tatsächlich die erhoffte Antwort für die beiden. Denn als in ihrer Wohnung die Sicherung rausgesprungen war, durften die beiden nicht einfach den Schalter wieder umlegen. Selbst dieser lächerlich harmlos anmutende Handgriff ist an Sabbat tabu. So stellte ich meine handwerklichen Fähigkeiten zur Verfügung und betätigte einige Schalter. Leider bekamen wir die Klimaanlage nicht wieder zum Laufen aber die zwei waren trotzdem sehr dankbar und ich war es auch. Denn authentischer hätte ich die hiesige (Glaubens-)Kultur durch keine Tour oder Führung erleben können.

Wrong Way Ticket

Die Zeiten für meine Flieger sind diesmal ganz bewusst gewählt. Manchmal muss man ja nehmen, was man kriegt aber wenn man es sich aussuchen kann, fliegt man zu einer Uhrzeit los, die einem bei Ankunft noch Raum für ein Minimum an Aktivität lässt. Soweit die zugrundeliegende Idee.

Um diese umzusetzen, stehe ich um kurz vor 4 auf. Keine coole Zeit aber den berüchtigten Sicherheitscheck bei der Einreise nach Israel musste ich einkalkulieren. Fakt ist: Da waren keine nennenswerten Sicherheitsmaßnahmen. Weder in München noch bei meinem Zwischenstopp in Istanbul. Die Flüge waren klasse. Filme schauen und auf beiden Flügen gab’s Essen. Aber dann: Ben Gurion Airport Tel Aviv und dort bildeten sich dann diverse Schlangen vor der Passkontrolle. Ich bin an der Reihe und werde vom verantwortlichen Mitarbeiter nicht mit absurden Fragen gelöchert. „Erstes Mal in Israel? Allein unterwegs? Wo bleiben Sie in Israel? Wie lang bleiben Sie?“. Das war’s auch schon. Drei Minuten vielleicht. Ich bekomme meine blaue Einreisekarte. Thema erledigt. Erleichterung aber tatsächlich auch ein klein wenig Enttäuschung über meine Befragung.

Rucksack läuft sofort auf dem Gepäckband auf mich zu. Perfekt. Geldautomat wirft mir die ersten Schekel raus. Optimal. Ticketschalter gleich daneben. Zugticket nach Tel Aviv gelöst. Läuft bei mir. Ich sitze im Zug. Es ist 16 Uhr. Inklusive Fußmarsch sollte ich noch vor 18 Uhr im Hostel sein. Klappt bis hierher zu gut um wahr zu sein? Vielleicht, aber manchmal hat man einfach Glück. Ist es verdächtig, dass die allermeisten Menschen in die andere Richtung fahren? Absolut.

Eine halbe Stunde und drei Haltestellen später sitze ich alleine in einem stehenden Zug. Ich bin genervt. Ein Herr vom Reinigungspersonal verstand zwar kein Wort Englisch aber „Tel Aviv“ kam an und mir wurde per Zeichensprache signalisiert: einfach sitzen bleiben. Der Zug dreht um und fährt dann dorthin. Nervös macht mich vor allem, dass ich laut Buchung um 20 Uhr eingecheckt sein musste. Der Zug steht und steht und steht. Gefühlt länger als die 20 Minuten, die es waren. 18 Uhr und wir sind wieder bei null. Haltestelle Airport. Tel Aviv ist aber nicht fern und nachdem ich mich bereits mit dem Gedanken „Taxi zum Hostel“ angefreundet habe (für mich eigentlich ein No-go), springe ich kurze Zeit später aus dem Zug, weiß genau, wo ich bin, weiß genau, wo ich hin muss und erkenne: „Das schaff ich… und zwar ohne Taxi“. Im Laufschritt Richtung Unterkunft und mit den Zeigern auf 19:15 halte ich meine Deadline ein. Erfolg auf ganzer Linie. Die Müdigkeit ist Freude gewichen und spätestens nach meiner ersten Portion Hummus mit Kichererbsen gleich nach dem Check-in bin ich zu 100% in Israel angekommen.

Wie meine beiden ersten kompletten Tage verlaufen sind, macht mich dann fast ein wenig stolz. Ich war viel geselliger als ich es sonst bin. Mich mit anderen Travellern auszutauschen, musste aber auch zwangsläufig sein. Schließlich habe ich noch keine Reiseroute erdacht und war auf Empfehlungen und Erfahrungen anderer angewiesen. Dass ich außer Jerusalem nichts fest eingeplant habe, macht es für mich über die Maßen entspannt. Ich habe nicht das Gefühl, irgendetwas zu verpassen und muss in den knapp zwei Wochen nicht durch das ganz Land hetzen. Einen groben Plan habe ich nun und der läuft unter der Kategorie „weniger ist mehr“. Den südlichsten Zipfel Israels werde ich nicht ansteuern und in Jerusalem habe ich mich auch bereits auf einen Aufenthalt von 3 Nächten festgelegt, was für meine Verhältnisse viel ist.

Nun zu Tel Aviv: Ein Hammer diese Stadt! Tolle Strände, eine imposante Skyline und das fantastische Essen, mit den vielen orientalischen Einflüssen. Auch wenn ich in noch keiner der folgende Städte war: Eine ziemlich stimmige Mischung aus L.A., New York und Istanbul. Jetzt wo ich das so schreibe, muss ich schier hin, um diese Aussage zu prüfen. Aber das mache ich ein andermal.

R-E-S-P-E-C-T find out what it means to me

Das altbewährte Konzept bleibt bestehen. Lukas packt seinen Rucksack und fährt oder fliegt allein irgendwo hin. „Irgendwo“ ist diesmal Israel und den größten Unterschied zu den vorangegangenen Reisen sehe ich in meiner Einstellung gegenüber dem Land, das ich besuchen werde. Zu den üblichen Verdächtigen Neugier und Vorfreude gesellt sich – und ich kann mich nicht entsinnen, dass ich dieses Gefühl für ein anderes Land schon einmal derart empfunden hätte – Respekt. Respekt oder Demut oder wie immer man es nennen will. Es ist eine Gefühlslage, die mich glauben lässt, dass ich diesmal nicht gut genug vorbereitet bin, dass ich diesem Land auf irgendeine besondere Art entgegentreten müsse, dass die diesmal nicht „irgendwo“ hinfliege.

Aber warum denke ich das? Ist es die Region Naher Osten mit ihrer latent angespannten politischen Lage, die mich etwas verunsichert? Die Historie dieses Landes, von der ich meine, dass ich sie mir als deutscher Staatsbürger stets ins Bewusstsein rufen muss? Vermutlich sind es diese Gründe. Politik und Religion sind Dimensionen, die in den Ländern, die ich bisher bereist habe, nie eine vordergründige Rolle – wenn überhaupt eine Rolle – gespielt haben. In Israel spielen sie eine Rolle. Und klammern wir mal den Eurovision Song Contest, der eine Woche vor meiner Ankunft in Tel Aviv ausgerichtet wurde, aus, dann geht es in den Medien fast nur und ausschließlich um Politik und Religion, wenn von Israel die Rede ist. Insofern erhoffe ich mir, dass mein Wissen und mein Erfahrungsschatz in zwei Wochen weit darüber hinausgehen wird und ich mit Israel in Zukunft besondere Menschen, gutes Essen, schöne Orte und viele großartige Momente verbinden werde.

Reiseroute und Bilder aus Schottland

Mir ist zum Abschluss dieser Reise aufgefallen, dass die bewährten Landkarten mit meinen Reiserouten auf dieser Website noch gänzlich fehlen. Wie konnte das denn passieren? Schande über mein Haupt. Aber das lässt sich nachholen und dem ist auch so geschehen. Also gibt es ab jetzt unter der Rubrik „Der Weg ist das Ziel“ für alle Geographie-Nerds die Reiseroute für Schottland und auch die noch ausstehende Wegbeschreibung meines Urlaubs vom vergangenen Jahr durch Kroatien, Slowenien und Österreich. Außerdem habe ich euch wie immer meine schönsten Schnappschüsse aus Schottland online gestellt. Jetzt solltet ihr bestens versorgt sein.

Schottland erneut? Fast schon ein Muss!

Der Vollständigkeit halber muss ich noch erwähnen, dass die letzten Tage in Glasgow, wie angekündigt nichts weltbewegendes mehr vorgefallen ist. Das kann aber auch etwas Gutes sein, denn ich brauchte einfach nur Zeit, um zu relaxen und alle Eindrücke sacken zu lassen. Hervorzuheben ist jedoch noch die Zugfahrt von Fort William nach Glasgow, die landschaftlich hinreißend war und Lust darauf macht, den Abschnitt vielleicht später einmal zu Fuß zu meistern. Und da klingt es schon an, auch mit Schottland haben wir einen Vertreter, der nach dem ersten Besuch definitiv nicht von dem verschwindet, was der Engländer „Bucket List“ nennt. Alles andere hätte mich auch gewundert. Orte, von denen ich sagen würde: „ihr seht mich sicher nicht wieder“ gibt es herzlich wenig und es kam wie gesagt keiner zu dieser Kategorie hinzu. Aber das nur am Rande.

Ganz im Gegenteil habe ich das Gefühl, nur einen lächerlich kleinen Bruchteil dieses Landes erlebt zu haben und das halte ich trotz der Geschehnisse der vergangenen zwei Wochen nicht für einen Widerspruch. Einer der letzten Mitreisenden, die ich kennengelernt habe, hat sich ganze fünf Wochen freigenommen, um Schottland zu bereisen. Dazu konnte ich ihn nur beglückwünschen. An dieser Stelle: Viel Spaß Alois.

Außerdem habe ich mich nochmal weiterentwickelt, was das Reisen angeht. Über meine Camping-Premiere habe ich ja berichtet und auch sonst habe ich wieder viele Dinge anders gemacht und Neues ausprobiert, ohne euch jetzt mit Details zu langweilen. Ich habe den Kopf schon wieder voller Ideen, was ich beim nächsten Mal noch brauche und wo es hingehen könnte. Genau so muss es sein. Genau so stelle ich mir meinen Urlaub vor.

Abschließend doch noch ein Kritikpunkt. Das schottische Essen, so gut mir es mir auch in weiten Teilen gemundet hat, ist aus gesundheitlicher Sicht schlicht eine Katastrophe. Ich habe fast alles an Spezialitäten durchprobiert, ob Black Pudding, Fish and Chips, Shortbread oder Haggis. Das einzige was ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte, ist der frittierte Schokoriegel. Die Angewohnheit, alles essbare, das sich nicht mehr wehren kann, in heißem Fett zu versenken, halte ich schon für bizarr und sehr bedenklich. Entsprechend sehen viele Einheimische auch aus, auch wenn sie, und das möchte ich nochmal betonen, weil sich dieser erste Eindruck vielfach bestätigt hat, charakterlich einwandfrei und total liebenswert sind. Tut mir sehr leid aber das musste ich erwähnen. Ist sicher auch beruflich bedingt aber das Thema macht mir einfach Sorgen. Jedoch führt dieses wiederum dazu (und auch das darf gerne nach einem Urlaub der Fall sein), dass ich mich auch wieder auf Zuhause freue.

Ich kann ja immer nur für mich sprechen aber ich bin wieder einmal wunschlos glücklich. Das soll es aus Schottland gewesen sein. Bis zum nächsten Mal

Euer Shaolinzonk

Skye is the limit

Ich bin schon wieder so sparsam was Bilder angeht. Deshalb gibt es heute mal zwei Stück. Auf diesem sieht man, was ich also von Inverness aus angegangen bin.

Der Great Glen Way ist eine der zahlreichen mehrtägigen Wanderungen, die man in den schottischen Highlands absolvieren kann. In Neuseeland begegnete mir seinerzeit erstmals dieses Konzept der dort als „Great Walks“ bezeichneten Routen, die in der Regel zwischen drei und fünf Tage in Anspruch nehmen und sich dadurch auszeichnen, dass die Wege gut präpariert und organisiert sind und sich bei Naturfreunden großer Beliebtheit erfreuen. Dass ich damals keine solche Wanderung in Angriff genommen habe, lag daran, dass man ohne Zelt auf die sehr wohl vorhandenen Unterkünfte entlang der Strecken angewiesen ist, welche jedoch (Stichwort: große Beliebtheit) in aller Regel Monate vorher gebucht werden müssen.

Nun aber hatte ich ein Zelt und damit schlug meine große Stunde. Weil dies aber mein erstes Mal Trekking mit Zelt war, beschloss ich, nicht gleich die volle Distanz von 117km zurückzulegen, für die die meisten Wanderer fünf bis sieben Tage einplanen. Zwei Etappen würden mir völlig genügen. Zwei Tage laufen inklusive einer Übernachtung im Zelt.

Tag eins führte von Inverness nach Drumnadrochit. 29km entlang des berühmten Loch Ness. So dachte ich zumindest. Geschlagene sechs Stunden dauerte es, bis ich statt Wäldern und Hügeln endlich auch einen Blick auf das blaue Wasser und die Ruine des Urquhart Castle erhaschen konnte. Weitere zwei Stunden sollten vergehen, bis ich Drumnadrochit und damit das Ziel der ersten bzw. letzten Etappe des Great Glen Way erreichte. Hier wären also Unterkünfte und auch ein ganz regulärer Zeltplatz verfügbar gewesen. Aber das konnte ich allein aus Prinzip nicht machen und es war erst sechs Uhr abends und somit noch viel Zeit, um weiter zu marschieren und sich einen eigenen abgelegeneren Zeltplatz zu suchen.

Und ich fand ihn. Einen Ort ganz für mich allein, an einem kleinen Hügel entlang des Weges. Ein erhabenes Gefühl wenn man sein Zelt aufgeschlagen hat und nichts mehr zu tun hat, als auf den Sonnenuntergang zu warten. Ein Meilenstein für mich nachdem ich knapp 12 Stunden unterwegs gewesen war. Müde von diesem langen Tag verkroch ich mich also in mein Zelt, um festzustellen, dass ich ein wenig mehr Hanglange hatte als gedacht… Ich gebe zu, ich habe schon wesentlich besser geschlafen aber ich war einfach nur stolz wie Bolle und ging trotz Müdigkeit und etwas schmerzender Füße am nächsten morgen hochmotiviert den zweiten Abschnitt der Strecke an. Dieser war dank der Vorarbeit des vorherigen Tages deutlich kürzer und bot außerdem viel schönere Aussichten. Beweise gefällig?

Ziemlich erschöpft erreichte ich dann am frühen Nachmittag Invermoriston. Doch hier sollte noch nicht Schluss sein. Gut, was den Great Glen Way anging schon aber ich wollte am selben Tag noch ganz hoch hinaus. Und zwar zur Insel Skye im Nordwesten. Dort hingebracht haben mich jedoch nicht meine Beine sondern ein Pärchen aus der Schweiz, das nach Portree, der größten Stadt auf der Insel, unterwegs war.

Bis hierher hatte alles exakt so geklappt wie erhofft. In Portree angekommen musste ich leider feststellen, dass ich in meiner Unterkunft nur eine Nacht bleiben konnte. Vorgesehen hatte ich zwei, um am nächsten Tag eine geführte Tour quer durch die Insel zu machen und dabei den Rucksack bequem im Hostel abzustellen. Tja, daraus wurde nichts. Laut den Buchungswebsites war auch in den anderen Orten alles ausgebucht. Ich brauchte dringend eine Pause und auf Skye würde ich diese nicht bekommen. Deshalb machte ich nach einer Nacht kehrt, ohne besonders viel von der so hochgelobten Insel gesehen zu haben. Das Abenteuer ging in bester Road-Trip-Manier weiter. Ich verließ Portree, hielt meinen Daumen hoch und hoffte, am Ende dieses anfangs windigen und regnerischen Tages nach Fort William zu gelangen. Fünf verschiedene Fahrer waren dazu nötig. Zwei davon Touristen, drei waren Locals. Und ich muss wieder ein Loblied auf das Hitchhiking singen, weil ich bei diesen Fahrten und darüber hinaus am Abend im Hostel einmal mehr viele interessante Menschen kennenlernen durfte und dabei viel über die schottische Mentalität erfahren habe.

Fort William, das von Mitreisenden durchweg als wenig sehenswert beschrieben worden war, entwickelte sich für mich zum Glückstreffer. Ich bekam meine ersehnten zwei Nächte am selben Ort, konnte die letzten organisatorischen Details erledigen und hatte sowohl mit meinen Mitbewohnern als auch für mich allein eine gute Zeit. Obwohl noch für einen Zwischenstopp Zeit gewesen wäre, werde ich die letzten Tage meines Urlaubs nicht mehr mit Programm vollstopfen und stattdessen in Glasgow eine ruhige Kugel schieben. Ich melde mich dann in ein paar Tagen nochmal mit einem Resümee der vergangenen zwei Wochen. Das wird überwiegend positiv ausfallen. Soweit lehn ich mich schon mal aus dem Fenster.

Das Highlands-Basislager

Inverness… *bedeutungsschwere Pause*, die Hauptstadt der Highlands… *noch bedeutungsschwerere Pause* ist öde.

– „Stop. So kannst du doch keinen Beitrag anfangen. Deine Leser wollen Spannung, wollen Dramatik und das haben sie auch verdient, wenn sie hier immer so fleißig reinlesen. Da kommst du an und erzählst, wie sterbenslangweilig diese sicherlich sehr charmante Stadt ist.“

– „Jetzt aber mal halblang. Was meine Leser gerne hören wollen… okay, aber was sie verdie… Ich schweife ab. Also soll ich mich hier rechtfertigen, warum ich nicht sagen kann, dass Inverness so toll ist wie Schokobrunnen ohne nachher Saubermachen zu müssen? Schön. Ist auch schnell geschehen. Denn wenn es für mich so dermaßen viel zu tun und zu sehen gegeben hätte, wäre alles ganz anders gelaufen. Wie? Das werden wir nie erfahren aber es ist wichtig für den weiteren Verlauf, dass es eben nicht so war. Zufrieden mit der Antwort?“

– „Schon gut, schon gut. Ist genehmigt. Ich hör mir das an.“

– „Wundervoll. Dann würde ich sagen, wir schließen diese kleine Redaktionssitzung an der Stelle ab und ich darf weitererzählen.“

So, wo war ich stehengeblieben? Inverness. Ich kam also dort an und habe ohne groß darüber nachzudenken zwei Nächte in meiner Unterkunft gebucht, um gleich danach festzustellen, dass sämtliche Ausflüge und nahegelegenen Sehenswürdigkeiten ohnehin auf meinem weiteren Weg liegen müssten und man so gesehen auch gleich hier durchrauschen hätte können. Aber die zwei Nächte waren bezahlt und das ist auch kein Drama. Denn somit wurde Inverness zu meinem ultimativen Highlands-Basislager, wo ich mich nochmal sammeln und dabei einen Masterplan für die zweite Hälfte der Reise ersinnen konnte. Glaubt mir, er ist verdammt gut geworden…

*Hier kommt der Cliffhanger. Der Spannungsbogen ist maximal gespannt und alles fiebert mit und kann kaum erwarten zu erfahren, wie es mit unserem Helden weitergeht. Meine Redaktion wird entzückt sein.